Heute ist Welttag der Suizidprävention.

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Der heutige Post wird ein bisschen anders als die anderen. Der Content den ich heute veröffentliche, spricht auf ein immer noch eingefleischtes Tabu in Deutschland und den meisten Ländern auf dieser Erde an. Es handelt sich bei diesem Post um keine wissenschaftlich begründete Arbeit sondern um eine Sammlung von Informationen sachlicher und vertrauenswürdiger Quellen zur Suizidprävention und meinen Erfahrungen. Ich selbst bin mit dem Thema Suizid nur in Verbindung mit dem Thema Depression gekommen. Ich kenne mich mit der Verbindung zwischen anderen psychischen Störungen und Suizid zu wenig aus um darüber differenziert zu schreiben und möchte das Autoren überlassen, die sich damit mehr befasst haben.
Ich möchte mit dem, was ich schreibe, niemandem etwas aufzwingen oder euch zu nahe treten. Wenn das der Fall sein sollte, dann möchte ich sagen: Das war nicht meine Absicht und ich entschuldige mich dafür. Ich lasse jeder Leserin und jedem Leser die Freiheit diesen Post wegzuklicken und ihn zu vergessen. Ich freue mich aber über jeden von euch, der sich die Zeit nimmt, ein bisschen mehr über das Thema des 10. Septembers zu lesen und der etwas ändern will. Danke für eure Zeit!


 Der 10. September ist 2003 von der World Health Organization erstmals zum Welttag der Suizidprävention ausgerufen worden.


Über Suizid zu reden ist nicht einfach. Mir ging es lange so, weil ich wenig darüber wusste und es für mich persönlich mit vielen Gefühlen verbunden war. Über Suizid zu reden ist nichtsdestotrotz wichtig. Sehr wichtig sogar. 
Deswegen habe ich mich für diesen Post bei vielen Organisationen, die sich mit dem Thema Suizidprävention beschäftigen, informiert und euch hier ein paar Informationen zusammengetragen. Ich weiß, dass ich euch keine  wissenschaftliche Arbeit bieten kann, aber dafür ist die Ebene der Blogger auch nicht am besten geeignet. Die Bloggergemeinschaft in Deutschland erreicht allerdings sehr viele Menschen, besonders junge Menschen. Wir haben die Möglichkeit verschiedene Informationen in rasend schneller Zeit auf der ganzen Welt zu verteilen. Ich möchte meine Chance heute dazu Nutzen, euch dieses sehr schwierige Thema etwas zu entwaffnen, etwas greifbarer und weniger zwielichtig und weniger unheimlich zu machen - das sind nämlich die ersten Schritte, die man gehen muss, um ein Thema zu enttabuisieren. Wenn man nämlich mal in sich reinfühlt und darüber nachdenkt, was uns Angst macht und worüber wir nicht gern sprechen, dann ist es oft so, dass wir etwas nicht richtig einschätzen oder greifen können - oder wir eben so wenig darüber wissen, dass es unheimlich und fremd wirkt. 


Was ist Suizid?

Es gibt viele Definitionen, jedoch gibt es grundlegende Paralellen in allen Positionen darüber, was Suizid bedeutet. Suizid, oder bei vielen auch unter dem Begriff Selbstmord oder Freitod bekannt, bezeichnet das freiwillige Beenden des eigenen Lebens. Suizid ist kein Akt der Feigheit oder Schwäche. In Deutschland nehmen sich jedes Jahr über 10.000 Menschen das Leben. Auf der Erde wird in jeder Stunde des Tages ein Suizid begangen.


Warum nehmen Menschen sich das Leben?

Eine genaue oder richtige Antwort gibt es darauf nicht. Es gibt verschiedene psychische Störungen und Krankheiten, die das Risiko steigern, dass ein Mensch sich das Leben nimmt. Dazu gehören zum Beispiel Depressionen, Persönlichkeitsstörungen und Schizophrenie. 

In unserem Alltag hören wir wohl am häufigsten von Menschen, die sich das Leben genommen haben oder sich das Leben nehmen wollen, weil sie an einer Depression leiden. 
Ein Mensch kann eine genetische Veranlagung zu Depressionen haben, das bedeutet: In einer Familie, in der viele Familienmitglieder Depressionen haben, kann eine Tendenz zur Depresssion vererbt werden. Obwohl die genetische Veranlagung eine große Rolle spielt, können auch viele andere Faktoren zu einer depressiven Verstimmung führen. Häufig sind das Stresssituationen, die in sehr komplizierten Momenten im Leben eines Menschen entstehen. Jugendliche stehen unter einer Vielzahl von Stressfaktoren wie Zukunftsängsten, dem Druck, sich selbst zu finden und ein Mitglied unserer Gesellschaft zu werden, insgesamt bedeutet die Pubertät für Jugendliche grenzüberschreitenden Stress. Aber auch Trennungen und Verluste können zu so viel Trauer und Schmerz führen, dass das normale Leben beeinträchtigt wird und manchmal nicht mehr möglich ist. Zu den Symptomen (also die Gefühle oder Verhaltensweisen, die auf etwas schließen lassen) einer Depression gehören das Gefühl von großer Traurigkeit, Antriebslosigkeit, geminderter Appetit, kein Interesse an Aktivitäten und Spaß mit Freunden, ein niedriges Selbstwertgefühl und oft auch große Müdigkeit. Die World Health Organisation hat zum Veranschaulichen von Depression für Betroffene jeder Art einen kleinen Film veröffentlicht, der auch mir und meinen Freunden damals geholfen hat, Depressionen zu verstehen.



Viele Menschen, die Depressionen haben, sind suizidgefährdet. Es gibt manche Tage, an denen sich die negativen Gedanken und Gefühle zu einem Strudel formen, der einen immer tiefer zu ziehen scheint. Menschen, die schon lange mit Depressionen leben haben häufig mit der Hilfe von Psychotherapie oder anderen helfenden Maßnahmen Strategien entwickelt, sich aus solchen Situationen zu retten - jeder hat seine eigenen Wege: Ob es sich dabei um joggen gehen, kochen, malen oder Freunde treffen handelt, ist ganz egal, solange es hilft. Der Weg bis zu diesem bewussten, kontrollierten Umgang mit seiner Depression kann ein sehr langer und beschwerlicher sein.
Leider gibt es Menschen, die sich ihrer Gefühle schämen oder sich nicht trauen mit jemandem zu reden, wenn es ihnen so schlecht geht. Es ist sehr schwer sich das vorzustellen, aber in manchen Situationen kann ein Mensch so von seiner Verzweiflung überschwemmt werden, dass er keinen Ausweg mehr sieht und der einzige Weg sich zu helfen das Beenden des eigenen Lebens erscheint.
Suizid ist kein Akt der Feigheit oder Schwäche, er ist nicht egoistisch.
Egal ob ein Mensch durch eine Depression oder etwas anderes in diese Situation kommt: Es gibt immer einen anderen Ausweg. Egal wie unwahrscheinlich das in dem Moment erscheint.

Kann man denn überhaupt helfen?

Aber sicher! Um einem Menschen das Leben zu retten muss man sich nicht jedes Mal in die reißenden Fluten stürzen oder zurück in ein brennendes Haus laufen. Bei Menschen, die daran denken, sich das Leben zu nehmen, sind es oft die kleinen Dinge, die großes bewirken. Jeder Mensch ist einzigartig und braucht individuell Hilfe, deswegen kann ich euch keine Musterlösung dafür geben, wie man mit einem Menschen umgeht, der sich das Leben nehmen will. Wichtig ist aber: Ihr könnt helfen. Ich habe euch ein paar Seiten rausgesucht, die mir selbst geholfen haben und an denen ich mich orientiert habe, wenn ich einer Freundin oder einem Freund helfen wollte.

Das Project Semicolon wurde von Menschen gestartet, die sich selbst einmal in einer auswegslosen Situation sahen und ihr Leben nicht beendet haben. Auf dieser Seite teilen viele Menschen ihre Geschichte und erzählen, was ihnen geholfen hat. Ihr kennt es vielleicht, weil auf Instagram das Semicolon Tattoo für Aufsehen gesorgt hat. Das Semicolon steht für eine Stelle, an der der Autor den Satz hätte beenden können aber ihn nicht beendet hat; der Satz steht für dein Leben und du bist der Autor.

In Deutschland nehmen sich pro Jahr ca. 600 Menschen unter 25 Jahren das Leben, insgesamt sind es über 10.000 Menschen, die wir verlieren. 600 Leben ist ein Projekt, das jedes Jahr am 10. September am Brandenburger Tor einen Flashmob veranstaltet, der zum Helfen von suizidgefährdeten Freunden und Bekannten aufrufen soll und das Thema Suizid enttabuisieren will. Macht mit!


Die bke Jugendberatung ist ein Forum an das ihr euch mit all euren Problemen wenden könnt. Ihr könnt euch dort anmelden und euch anonym beraten lassen. Ihr könnt mit Sozialpädagogen und Psychologen ins Gespräch kommen, die euch eure Fragen beantworten und euch helfen können, egal in was für einer Situation ihr steckt. Neben euch sind da aber auch noch ganz viele andere Jugendliche, die eventuell in der selben Lebenslage wie ihr seid, und ihr könnt einander helfen. Manchmal tut es gut mit Leuten zu reden, die in einer ähnlichen Situation waren oder sind, weil man sich bei ihnen besonders verstanden fühlen kann.

Wenn ihr mehr über das Thema Depression erfahren wollt, ob ihr nun selbst spezielle Hilfe braucht oder ihr nicht wisst wie ihr mit einem depressiven Familienmitglied oder einer depressiven Freundin oder einem Freund umgehen sollt, dann könnt ihr bei der World Health Organisation mehr zu Suizid und Depression lesen. Es gibt aber auch ein paar sehr gute Organisationen, die euch auch direkt Beratungsstellen in eurer Nähe zeigen können. Die Deutsche Depressionshilfe bietet kompetente Hilfe und Informationen für Betroffene und Angehörige auf jeder Ebene. Weitere Tipps für Angehörige und Betroffene findet ihr auf Depressionen Verstehen. Die Website Jugend Support bietet Rat und Hilfe bei Problemen, die besonders häufig bei jungen Menschen auftreten, dort könnt ihr sowohl als Angehörige/-r als auch als Betroffene/-r Unterstützung finden.



Drei Quellen, die mir persönlich sehr geholfen haben, möchte ich euch am Ende noch mitgeben. Dazu gehört einmal die Youtuberin Gar Nichz, die vom Anfang ihrer Youtube Laufbahn bis heute sehr offen mit ihrer Depression und ihren Gedanken umgeht und sehr viele liebe und hilfreiche Worte für alle Betroffenen und Angehörigen hat. Vielleicht habt ihr von der Aktion #wireinander von der Techniker Krankenkasse gehört? Da hat Gar Nichz auch mitgemacht und der Welt ihre Geschichte erzählt und ein sehr schönes Video veröffentlicht! Danke dafür nochmal.


Auch die Bloggerin Tanja Salkowski hat beschlossen ihre Reise, die noch lange nicht vorbei ist, mit der Welt zu teilen und schreibt auf ihrem Blog Sonnengrau über ihr Leben mit Depressionen. Sie hat außerdem ein gleichnamiges Buch geschrieben, und ist Gründerin des Radio Sonnengrau, das sich mit "psychischen Störungen, Seele und Mensch" beschäftigt. Tanja hat versucht sich das Leben zu nehmen und spricht ganz offen in diesem Interview mit dem Verein Freunde fürs Leben darüber, dieses Video war übrigens der Auslöser dafür, dass ich gedacht habe: Ich muss irgendwas sagen, ich muss meine Chance als Bloggerin nutzen um auf diesem Themenbereich etwas zu bewirken.

Wenn du selbst das Glück hast, dass in deiner Familie niemand suizidgefährdet ist und du selbst nicht in einer scheinbar auswegslosen Situation bist, kannst du trotzdem helfen. Blöden Behauptungen und falschen Informationen nicht zuzustimmen ist der erste Schritt, den jeder machen kann. Dazu braucht man nicht mal den Mund aufmachen oder auffällig werden. Man braucht das nicht tun, aber man kann.

Ich habe selbst suizidale oder selbstgefährdende Gedankengänge und weiß nicht, was ich machen soll...

Suizidgedanken und den Drang sich selbst zu verletzen zu haben sind nichts, wofür sich irgendjemand schämen müsste. Allerdings sind das Gedanken und Gefühle, die nicht als harmlos abgestempelt werden dürfen. Es gibt für alle Dinge ein Maß, eine Balance, und wenn das eingehalten wird, dann ist ein bestimmter Gedanke auch nicht sofort als hochalarmierend einzuordnen. Jeder Mensch setzt sich einmal mit dem Thema des eigenen Todes auseinander, weil es etwas ist, was uns alle betrifft und auf jeden einzelnen Menschen am Ende seines Lebens erwartet. Wenn die suizidalen Gedanken allerdings häufiger und konstanter werden, ist es wichtig, dass du mit Menschen darüber sprichst und dir Hilfe holst, denn manchmal reicht es nicht, das mit sich selbst auszufechten. Du bist nicht allein mit solchen Gedanken und sie machen dich nicht zu einem Alien, den niemand verstehen kann. Es können mehr Menschen mit dir fühlen und dir helfen, als du dir wahrscheinlich vorstellen kannst. Nach Regen kommt immer einmal Sonne, und das manchmal auch mit ein oder zwei Regenbögen. Der Weg zur Besserung ist nicht immer einfach, aber es hundertprozentig Wert. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten mit Suizidgedanken fertig zu werden und sie zu besiegen. 
Mit der Unterstützung von Freunden, Familie oder einem guten Therapeuten kann man viel bewirken und verändern, wichtig ist: Du musst das nicht alleine schaffen. 
Falls es sich um einen Notfall (für dich oder aber auch für eine/-n Freund/-in) handeln sollte, bitte wende dich sofort an eine Notfallnummer.
 

Wenn du hier angekommen bist, dann gilt dir ein ganz großes Danke von meiner Seite, aber auch von allen Leuten, die genauso versuchen, das Thema Suizid zu enttabuisieren und zu helfen, damit es jedes Jahr weniger Leben werden, die wir verlieren. Wir freuen uns über jeden, der einen Teil zur Suizidprävention beiträgt. Jedes noch so kleine bisschen Hilfe wird gebraucht und ist großartig.
Ganz am Ende will ich noch sagen, dass ihr mir natürlich immer mit dem Kontaktformular schreiben könnt, wenn ihr Fragen an mich habt.

Die Bilder in diesem Post sind übrigens Bilder aus meinem Notizbuch. Ich habe mich dafür entschieden keine Fotos sondern Zeichnungen zu benutzen, weil mir das Reflektieren meiner Gedanken und Gefühle durch Malen und Zeichnen besonders geholfen hat. Kunst ist immernoch, ob ich sie mir nun ansehe oder selbst gestalte, in vielen Fällen die beste Medizin gegen meine Sorgen und die typischen Strudelgedanken.

Ihr seid alle einzigartig und wunderbar so, wie ihr ganz eigen seid. Big hug, spread the love. 

Eure Thea

Meine Quellen für diesen Post waren:

http://www.naspro.de/dl/Suizidzahlen2013.pdf
http://www.who.int/mental_health/mhgap/evidence/depression/en/
http://www.who.int/topics/suicide/en/
http://www.suizidpraevention-deutschland.de/
http://www.600leben.de/

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